Unerwartete Geschichte

Februar 26, 2010 at 12:18 pm (1)

Eine meiner Freundinnen, Koreanerin,  hat mir letztens erzählt, warum sie denn hier in Japan ist.

Das hat mich schon länger interessiert, weil sie mir gleich in unserem ersten „richtigen“ Gespräch versichert hat, dass sie ganz bestimmt nicht freiwillig hier ist und am liebsten sofort nach Korea zurückkehren würde, aber das ist alles gar nicht so einfach…:

Ihre Mutter und ihr Vater waren glücklich verheiratet und lebten mit den beiden Töchtern zusammen an der koreanischen Küste. Allerdings fehlte das Geld, um die Töchter weiter auf annehmbare Schulen zu schicken, obwohl beide Elternteile arbeitstätig waren.

Deshalb hat sich ihre Mutter dazu entschieden nach Japan zu gehen, um vielleicht eine andere Möglichkeit zu finden, um die Ausbildung der beiden weiterhin finanzieren zu können. Nach einem halben Jahr, hat sie ihre beiden Töchter zu sich geholt und sich von ihrem Mann geschieden.

Sie hat in Japan einen anderen Mann kennengelernt, den sie nach der Scheidung auch geheiratet hat. Ein arbeitstüchtiger Herr (ich habe ihn kennengelernt), der aber  irgendwie kalt ist…kalt beschreibt es nicht gut, aber er wirkt jedenfalls nicht wie ein guter Vater…„streng“, „egoistisch“, „leichtsinnig“ sind Worte, die mir einfallen, wenn ich an ihn denke.

Allerdings ist er fest beschäftigt und verdient genug, um die hohen Schulgebühren der beiden zu bezahlen. Dafür nimmt ihre Mutter es hin, von ihrem geliebten Mann getrennt zu sein und das Regime eines japanischen Hausherrn zu ertragen.

Dennoch sind sie ihm dankbar, da er die Mutter geheiratet hat, obwohl sie kaum Japanisch spricht und eben noch zwei Töchter mitbringt.

Meiner Freundin tut ihre Mutter schrecklich leid. Auch ihre kleine Schwester hält es kaum aus und möchte nach Haus, nach Korea. Ab und zu telefonieren sie mit ihrem echten Vater und jedes Mal brechen alle in Tränen aus. Alle wollen zurück.

Deshalb stehen die Töchter unter riesigem Druck in der Schule auch bloß erfolgreich zu sein, damit das „Opfer“ der Mutter auch nicht umsonst war.

Die Geschichte an sich, eigentlich der ganze Blog Eintrag, haben nichts mit Japan zu tun, aber mit meinem Auslandsaufenthalt, denke ich.

Das ist eine Geschichte, die ich vielleicht im Fernsehen, in irgendeiner Serie erwartet hätte, aber es gibt sie tatsächlich und das hat mich ziemlich geschockt. Jeden Tag in der Schule haben wir viel Spaß und man merkt ihr gar nicht an, dass sie mit so einem Hintergrund nach Japan gekommen ist…

Ich denke diese ganze Auslandsaufenthalt-Sache, gibt einem unter anderem die Möglichkeit Menschen zu treffen, deren Leben völlig anders ist und macht einem erst einmal bewusst, was denn den eigenen Alltag und das eigene Leben bisher ausgemacht haben.

Ich habe hier in Japan so viele verschiedene Menschen aller möglichen Nationen getroffen und alle hatten irgendwelche Geschichten, mehr oder weniger besonders, eindrucksvoll, etc….aber ich bin froh, dass ich jedem einzelnen von ihnen begegnet bin. Auch dadurch, diese Geschichten zu hören, habe ich so unglaublich viel gelernt…

Allein deswegen lohnt sich sowas…wohin auch immer…

2 Kommentare

  1. Jonas sagte,

    hey linda

    wow, ganz viele neue fotos^^
    ich wollte nur sagen: cool und danke fürs reinstellen :P

    gruß jonas

  2. Martina sagte,

    Hallo Linda,
    habe soeben entdeckt, dass man Dir hier direkt einen Gruß und anderes schicken kann !! Toll!
    Ja, das ist eine absolut traurige Geschichte, die nachdenklich stimmt: ist das Ergebnis dieses Opfer wert? – Nur gut, das wir das nicht durchmachen müssen… wir können frei entscheiden… noch jedenfalls, denn in Deutschland sind wir, meine ich, derzeitig auf keinem guten Weg. Schule ist allzuoft Stress, besonders wegen G8 – und das, damit die jungen Menschen ein Jahr früher in die Arbeits- und damit Sinnlosigkeit fallen. Ein grausiger Gedanke! Nur der Einzelne kann es schaffen, aus der Aussichtslosigkleit etwas Positives zu machen. – Ich wünsche Euch allen, dass ihr euren Weg geht und dabei und darin Euer Glück findet!

    Jo, unser erster Filmauftritt lief gestern Abend in der ARD… Ein Fall für Fingerhut! – Ist ja echt amüsant, Euch Teens und Twens agieren zu sehen und man ahnt, wie viel Vorplanung notwendig ist, um die Szenen richtig vorzubereiten, kameratechnisch vor allem. In der Aneinanderreihung der einzelnen Einstellungen hat man dann den Zusammenhang, aber vor Ort fühlt sich das Ganze tun etwas unkoordiniert bis chaotisch an – stimmt aber glücklicherweise nicht.
    Wir haben es geschafft, den Film auf den Laptop zu bekommen und können hoffentlich eine DVD davon brennen – als Erinnerung!
    Mal sehen, was dieses Jahr bringt…

    Endlich ist der Frühling da mit Temperaturen um 15 Grad! Immerhin, nach viereinhalb Monaten eisiger Kälte hatten wir schon vergessen, dass es auch nett sein kann in Deutschland. Wir freuen uns auf den Sommer – und darauf, Dich dann wiederzusehen! Mensch, nur noch dreieinhalb Monate oder 14 Wochen… die sind ratzfatz vorüber.

    Kommen die e-mails mit den Liedern bei Dir an? – Kannst Du sie überhaupt nutzen bei all der Arbeit? Sag lieber: nein danke, bevor es Dir zuviel wird.

    So, genug geschwätzt – ganz liebe Grüße ins ferne JAPAN von
    Martina, der Düsterhus-Company und dem Showensemble!!!

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